Theatrale Audioinstallation
Am 22. Juli 1763 unterschrieb Katharina II. kurz nach ihrer Machtübernahme in Russland das Manifest, in dem sie deutschen Bauern mit der Übersiedlung nach Russland Religionsfreiheit, Steuerfreiheit und das Verfügungsrecht über ihr Land zusicherte. Viele Deutsche gaben ihr altes Leben auf und folgten den Versprechungen der Landsmännin, um sich in den Ebenen zu beiden Seiten der Wolga anzusiedeln. Über zwei Jahrhunderte entstand eine Subkultur mit einem eigenen Dialekt, eigenen gesellschaftlichen Strukturen und kulturellen Traditionen. Spätestens mit Beginn des Zweiten Weltkriegs jedoch verloren die Deutschen in Russland ihr Ansehen als hart arbeitendes Volk und wurden kollektiv zu Faschisten und Sündenböcken erklärt. Sie wurden für das verantwortlich gemacht, was in ihrer Abwesenheit in Deutschland geschah, und es folgten Diskriminierung und Deportation. Seither remigrierten vor allem in den 1990er Jahren über zwei Millionen Russlanddeutsche in ihre unbekannte Heimat und stießen hier vor allem aufgrund ihres eigenständig entwickelten Dialekts auf Unverständnis und Zurückweisung.
In einer theatralen Audioinstallation, in der BesucherInnen mit einem Funkkopfhörer der Geschichte eines russlanddeutschen Ehepaars in drei Akten folgen können, wird dieser mannigfaltig entwickelte Sprachinseldialekt gewürdigt und heutige gelebte Interkultur sowie die Ambivalenz von Heimatvorstellungen erfahrbar.
Konzept, Schnitt, Raumgestaltung, Stimme: Frank E. Geier
Mitwirkende: Helene und Johann Geier
Dramaturgische Beratung: Georg Blokus
Technische Leitung: Jan Kryszons
„TAGE DER OFFENEN TÜREN: JUNGES INTERNAT DER KÜNSTE DER WELT“ Akademie der Künste der Welt, Köln, 2015






